Komm, wir gehen raus!“ – Warum Naturverbindung und das „Nichtstun“ so wichtig sind
Naturpädagogik, Wildnispädagogik, Bushcraft, Survival, Biwakieren oder einfach Wandern mit Kindern; eins haben all diese Dinge gemeinsam: Das Rausgehen.
Je mehr wir in Städten leben, desto größer wird die Nachfrage nach Angeboten, die uns und unseren Kindern die Natur und die Wildnis näherbringen. Der Wunsch vieler Menschen wächst, sich „draußen“ besser zurechtzufinden und die natürliche Umwelt nicht als Bedrohung anzusehen. Das wichtig für mehr Nachhaltigkeit, Umweltbewußtsein und um die wunderbare Vielfalt der Natur zu erhalten, denn nur was wir kennen, können wir auch schützen.
Rausgehen als Weg zu Achtsamkeit und Resilienz
Rausgehen kann so vieles sein. Möchten wir wirklich die Natur erleben und uns tief mit ihr verbinden, sollten wir als erstes den Schritt vor die Tür wagen. Dann kommt alles andere von alleine. Denn dann können wir Wind und Sonne auf der Haut spüren, den Vögeln lauschen und allem um uns herum unser Herz öffnen. Dabei finden wir Achtsamkeit im Moment!
Kleine Abenteuer im Alltag erleben
Rausgehen kann aber auch im Regen spazieren, wandern, im Garten sitzen oder sich um die Pflanzen kümmern sein. Es kann auch bedeuten, achtsam auf einer Wiese zu liegen und in den Himmel zu schauen. Vielen Menschen fällt es schwerer, sich allein auf den Weg zu machen; sie finden es schöner, dies in einer Gruppe zu tun und durch Naturerfahrungen von erfahrenen Menschen zu lernen.
Die Vielfalt der Sinne entdecken
Gemeinsam die Natur zu erleben kann sehr bereichernd sein, da wir alle von unterschiedlichen Dingen fasziniert sind. Während einigen von uns das achtsame Hören besonders liegt und sie so vielleicht viele Vogelstimmen wahrnehmen, erleben andere die Düfte des Waldes und der Wiese intensiv.
Wieder andere erkennen mit offenen Augen Formen und Farben, die wir im Vorbeigehen vielleicht übersehen hätten. Diese unterschiedlichen Perspektiven helfen uns dabei, die Naturverbindung in der Gruppe zu vertiefen und voneinander zu lernen.
„Mama, mir ist laaaaangweilig!“ – Das Potenzial der freien Zeit
…Das kommt uns wohl allen bekannt vor! Vor 30 Jahren hat unser inzwischen verstorbener Freund Thomas Wilhelm für Vorhang Auf einen Artikel geschrieben mit genau diesem Titel. In einer Zeit – lang ist es her – in der noch Bücher, analoge Spiele und Fernsehen Langeweile vertrieben.
Warum Kinder Langeweile aushalten lernen sollten
Laut Thomas Wilhelm ist es wichtig, dass Kinder tatsächlich lernen, Langeweile auszuhalten. Denn zum einen bestehe das Leben aus Aktion und Entspannung, und zum anderen fördere das „Nichtstun“ die Kreativitätsförderung der Kinder. Wer zwanghaft lernt, von einer Aktivität in die nächste zu müssen, versucht später oft, Lücken durch Konsum oder Süchte zu füllen.
Digitale Medien vs. echtes Erleben
Dass Kinder sich mit Büchern ablenken, hört sich heute nach einem Segen an. Die digitalen Medien sind heute ein schnell zugänglicher „Langeweilekiller“. Wie schön ist es doch, wenn Kinder von heute einfach rausgehen und Abenteuer in der Natur erleben, Blumen pflücken, einen Staudamm bauen oder den Wind spüren.
Die schöpferische Kraft des Nichtstuns für Erwachsene
Auch Erwachsenen tut es gut, nichts zu tun. Wenn wir ganz entspannt sind, entstehen oft die besten Ideen für neue Projekte und kreative Schaffensprozesse. Es kann dann passieren, dass plötzlich eine Wand im Haus rot wird oder im Garten ein neues Beet entsteht. Herrlich…
Erinnerungen an das freie Spiel
Früher haben wir ewig lange an einem kleinen Bach gespielt. Wir haben das Wasser beobachtet, wie es über die Steine fließt. Grashalme wurden zu Schiffen, die durch die Strömung davongebraust sind. Dabei haben wir uns die tollsten Geschichten ausgedacht – ein Zeichen für gelebte Fantasie und kindliche Neugier.
„Komm, wir gehen raus und tun nichts“
Rausgehen heißt nicht immer, voll in einer Aktivität aufzugehen. Wir möchten dazu anregen, gemeinsam mit den Kindern alles wahrzunehmen, genau dort zu spielen, zu entdecken, zu lernen, zu träumen und einfach nichts zu tun! So entsteht eine tiefe Verbundenheit zur Umwelt, wo auch immer wir leben. Wer diese Verbindung spürt, ist gestärkt und voller Ideen. Damit schützen wir uns selbst und im besten Fall auch unsere Umgebung.
Der Blogebeitrag wurde angeregt und ist entstanden durch Hanna Waldows und Mona Völkles Plaudern in der Redaktion. (Beitrag aus dem Elternteil Heft 143 Rausgehen!)











